Mit der Gründung des Instituts für Engineering von Produkten und Systemen (IEPS) wurden die zuvor eigenständigen Institute für Arbeitswissenschaft und Fabrikautomatisierung (IAF), für Logistik und Materialflusstechnik (ILM), für Mobile Systeme (IMS) sowie für Maschinenkonstruktion (IMK) zu einem leistungsstarken, interdisziplinären Forschungscluster zusammengeführt. Diese Struktur vereint Kompetenzen in der Produktentwicklung und Konstruktion, der Logistik und Materialflusstechnik, der Fabrikautomatisierung und Produktionssystemgestaltung sowie der mobilen Antriebstechnik und Mechatronik unter einem gemeinsamen Dach.
Neben der Integration bewährter Forschungsbereiche erschließt das IEPS auch neue Forschungsbereiche: Mit der Einrichtung der Juniorprofessur für KI-Anwendung in Produktion und Logistik im März 2024 wurde ein zukunftsweisender Schwerpunkt geschaffen, der die Potenziale von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen für die Optimierung industrieller Prozesse erschließt. Diese strategische Erweiterung unterstreicht den Anspruch des Instituts, nicht nur etablierte Kompetenzen zu bündeln, sondern auch aktiv innovative Forschungsfelder zu erschließen.
Die enge Verzahnung dieser Kompetenzbereiche ermöglicht einen durchgängigen Entwicklungs- und Forschungspfad – von der methodischen Produktentwicklung über die Auslegung tribologischer Systeme und mechatronischer Komponenten bis hin zur intelligenten Produktion, Logistik und dem Einsatz von KI-Methoden. Dadurch entsteht ein einzigartiges Kompetenzprofil, das gleichermaßen Grundlagenforschung, Technologietransfer und industrielle Anwendung stärkt.
Forschungsschwerpunkt Produktentwicklung, Konstruktion und TribologieDie Forschungsarbeiten in diesem Bereich konzentrieren sich auf die methodische Produktentwicklung, die Konstruktion und Auslegung von Maschinenelementen sowie die Aufklärung tribologischer Mechanismen. Zentrale Themen sind die Weiterentwicklung der Konstruktionsmethodik, die Integration moderner Werkzeuge wie 3D-Druck und CAD/CAE/CAM in die Produktentwicklung sowie die Optimierung tribotechnischer Systeme.
Die einzelnen Forschungsaktivitäten lassen sich entsprechend der jeweiligen Expertisen folgenden Lehrstühlen zuordnen:
Professur Produktentwicklung und Konstruktion (kommissarisch: apl. Prof. Dr.-Ing. habil. Dirk Bartel)- Weiterentwicklung der Produktentwicklungsmethoden hinsichtlich Ideenfindung, Konzeptentwicklung, Produktgestaltung, Leichtbauweise, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit insbesondere angewandt auf Luft- und Raumfahrt, Medizin- und Biomedizintechnik, Automobil- und Transportindustrie, Sicherheitstechnik
- Effektive Einbindung von Werkzeugen und Technologien in eine innovative Produktentwicklung: CAx-Anwendungen, PDM-Systeme, Virtual Reality und Augmented Reality, 3D-Druck, 3D-Digitalisierung
- Integration von KI-Werkzeugen in den Produktentwicklungsprozess des Integrated Design Engineering (IDE)
- Entwicklung eines Digitalen Produktpasses für KMU nach der Ökodesign-Verordnung (Ecodesign for Sustainable Products Regulation – ESPR)
- Entwicklung eines Indikatorensets für die monetäre Bewertung der sozialen Nachhaltigkeit verknüpft mit relevanten Sustainable Development Goals (SDG)
- Entwicklung von Ansätzen für eine Umweltorientierte „Open-Source“-Produktentwicklung
Professur für Maschinenelemente und Tribologie (apl. Prof. Dr.-Ing. habil. Dirk Bartel)- Erarbeiten von Grundlagen zur weiteren Aufklärung der Mechanismen von Reibung und Verschleiß in Reibkontakten mit und ohne Schmierung
- Untersuchungen zum Reibungs- und Verschleißverhalten von Maschinenelementen und Bereitstellung von Berechnungsverfahren sowie von Auslegungs- und Gestaltungsrichtlinien für tribotechnisch beanspruchte Maschinenelemente
- Optimierung tribotechnischer Systeme hinsichtlich Werkstoffpaarung, Schmierstoff und Reibflächengestaltung
Forschungsschwerpunkt Mechatronik und mobile AntriebssystemeDieser Forschungsschwerpunkt umfasst die Entwicklung und Optimierung von Energieumwandlungssystemen für mobile Anwendungen sowie die modellbasierte Entwicklung mechatronischer Systeme. Die Forschung erstreckt sich von klassischen Verbrennungsmotoren über alternative Antriebskonzepte bis hin zur Entwicklung autonomer Fahrfunktionen.
Professur für Energieumwandlungssysteme für mobile Anwendung (Prof. Dr.-Ing. Hermann Rottengruber)- Ottomotoren: Gasmotoren, Einspritzsysteme, Gemischbildung, Zündsysteme, Akustik, Energiemanagement
- Dieselmotoren: Hochdruckeinspritzung, Spraybildung, Gemischbildung, Brennraumgeometrie, Abgasrückführung, Partikelfilter/Partikelfilterregeneration, NOx-Abgasnachbehandlung, Akustik
- Alternative Motorkraftstoffe: E-Fuels, Wasserstoff, Biodiesel, Bioethanol, Pflanzenöl, Biomass to Liquid (2. Generation), Gas to Liquid (GtL), Gase (CNG, LNG, Sondergase)
- Berechnung und Simulation: Gemischbildung/Verbrennung/Thermomanagement, Brennstoffzellen- und Batteriesysteme, Super-Caps, Analyse von Wasserstoffmotoren, Analyse von Verbrennungsmotoren, Simulation variabler Ventilbetriebe, Thermodynamische Analyse von Energiewandlungsprozessen, Strömungsvorgänge im Brennraum, Simulation der Einspritzhydraulik, Simulation Abgasrückführung (Programme/Software: AVL FIRE, AVL Cruise M, ANSYS CFX, Virtual Lab, GT Power, Converge, Cantera, OPEN Foam)
- Akustik - Forschungsschwerpunkte: Geräuschregelung von Motoren, Bewertung der Akustik von E-Motoren, Abbildung des Struktur-/Abstrahlverhaltens, Vibroakustisches Benchmarking, Betriebsschwingungsanalysen, Analyse und Simulation von Schalltransferpfaden, Schallquellenlokalisierung und -analyse mit Mikrofonarrays und Intensitätssonde, Schallquellenlokalisierung mit Scanning-Laser-Vibrometer, Messungen von Drehungleichförmigkeiten, Schwingungsmessung an rotierenden Teilen mit optischem Derotator, Aktive Schwingungsdämpfung mit Piezoaktoren
- Akustische Messtechnik: Akustik Motorprüfstand, PSV-400-3D Scanning-Vibrometer, Einpunkt-Vibrometer, Rotations-Vibrometer, 80-Kanal-Prüfstands-Akustik-Messsystem PAK-Mobil MK II, 60-Kanal-Combo-Array für Nahfeldholographie und Beamforming, 60-Kanal-Grid-Array für Schallkartierung und Nahfeldholographie, Schallintensitätsmesssystem
- Sondermesstechnik: Strömungsprüfstand, Einspritz-Pumpenprüfstand (Injection Analyzer), Gas-Einblasventil-Prüfstände, Prüfstand für Emulsionserzeugung Kraftstoff/Wasser, Hochdruck-Einspritzkammer, Abgasmesstechnik (Partikelgrößen/-anzahl, Partikelkonzentration), Optische Messtechnik/FTIR, Gaschromatograph
Professur für Mechatronik (Prof. Dr.-Ing. Andreas Scholz)- Entwicklungsmethodik:
- Virtualisierung von Entwicklungsprozessen: Modellbasierter Entwurf, Analyse und Synthese mechatronischer Komponenten und Systeme
- Hardware-in-the-Loop Prüftechnik und Entwicklung echtzeitfähiger digitaler Zwillinge
- Virtuelle Integration: Kopplung real verfügbarer Systeme mit Berechnungsmodellen zur Erreichung einer höheren Integrationsstufe, auch unter Anwendung maschineller Lernverfahren
- Mensch-Maschine-Interaktion: Spezifikation von Anforderungen an mechatronische Systeme, die in der Interaktion mit Menschen stehen
- Aktuelle Anwendungsfelder:
- Robotik
- Elektromobilität und Mikromobilität
- X-by-Wire Technologien
- Landwirtschaft und biologischer Pflanzenschutz
- Medizinische Assistenzsysteme
Forschungsschwerpunkt Logistik und MaterialflusstechnikDie Forschung im Bereich Logistik und Materialflusstechnik konzentriert sich auf die Entwicklung und Optimierung von Fördersystemen, die Simulation partikelmechanischer Systeme sowie die Gestaltung logistischer Prozesse und Systeme unter Einsatz der Automation inner- wie außerbetrieblich (Supply Chain Networks). Moderne Methoden wie die Diskrete Elemente Methode (DEM), Lean Logistics, wissensbasierte Planspiele (serious games) und KI-basierte Ansätze bilden das methodische Fundament.
Professur für Förder- und Materialflusstechnik (Prof. Dr.-Ing. André Katterfeld)- Entwicklung und Optimierung von Stetigförderern: Funktionsanalyse, Erstellung von Berechnungsmodellen, Experimentelle Untersuchungen, Verschleißvorhersage in der Schüttguttechnik, Erforschung des Gurtschieflaufs, Reduzierung von Staubemissionen
- Weiterentwicklung und Anwendung der Diskrete Elemente Methode (DEM): Simulation von partikelmechanischen Systemen der Förder-, Baumaschinen- und Verfahrenstechnik, Weiterentwicklung von Kontaktmodellen, Kalibrierung von DEM-Parametern, Kopplung der DEM zu anderen Simulationsmethoden (FEM, MKS, CFD)
- Bestimmung von Schüttguteigenschaften: Laboranalysen, Entwicklung von Verfahren und Apparaten zur Ermittlung der Guteigenschaften
- Anlagentechnik: Entwicklung von Mess- und Monitoring-Konzepten für die Anlagentechnik, Analyse des Verhaltens von Stückgut im Pulk (Stückgut als Schüttgut), Rückverfolgbarkeit von Schüttgut-Chargen: Neuartiges Lagermanagement in Halden und Silos, Materialfluss-Simulation in der Schüttguttechnik
- Intelligenter Logistikraum: Funk- und bildbasierte AutoID- und Ortungsverfahren im Indoor- und Outdoorbereich, IT-Strukturen für intelligente Waren, Ladungsträger und Betriebsmittel sowie Personen, Analyse- und Anzeigeverfahren für Bewegungsabläufe von Waren- und Personenströmen in der Intralogistik, Umschlagtechnologien für intelligente Container
Professur für Logistik (Prof. Dr.-Ing. Hartmut Zadek)- Grundlagen der Technischen Logistik, insbesondere Referenz- und Berechnungsmodelle
- Diagnose, Modellierung, Simulation, Gestaltung und Optimierung logistischer Prozessabläufe und Systeme
- Planungsmethoden und -werkzeuge in der Logistik, insbesondere bausteinorientierte Problemlösungsprozesse sowie kooperative und internetbasierte Planungsprozesse
- Prozessketten für Zulieferung, Produktion, Handel, Logistikdienstleister sowie Transportketten der Ver- und Entsorgung
- Automatisierter / Teleoperierter Transport (Güter) und Beförderung (Personen) im innerbetrieblichen und öffentlichen Raum
- Intelligente Mobilität, Logistik und Verkehrssysteme
- Urban & Rural Mobility / Last-Mile-Distribution
- Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Energieeffizienz in der Logistik
- Sozio-technische Innovationen
Forschungsschwerpunkt KI-Anwendung in Produktion und LogistikDieser Forschungsschwerpunkt fokussiert die Entwicklung und Untersuchung von Methoden der Künstlichen Intelligenz, insbesondere des maschinellen Lernens, für Planungs-, Steuerungs- und Optimierungsprobleme in Produktion und Logistik.
Juniorprofessur für KI-Anwendung in Produktion und Logistik (Jun.-Prof. Dr.-Ing. Sebastian Lang)Methoden und Modelle der Künstlichen Intelligenz (KI) und des Digital Engineerings:- Maschinelles Lernen, insbesondere Reinforcement Learning
- Metaheuristiken, insbesondere evolutionäre und schwarmbasierte Algorithmen
- Modellbildung und Simulation
Anwendungsgebiete:- Produktion, Logistik, Supply Chain Management
- Robotik
- Verkehr
Forschungsschwerpunkte:- KI-gestützte Produktionsplanung und -steuerung
- KI-gestützte Steuerung und Rekonfiguration von Lieferketten
- KI-gestützte Robotikanwendungen
- Generative KI-Systeme für industrielle Problemstellungen
Arbeitsgruppe Modellierung und Simulation in Produktion und Logistik (Dr.-Ing. Tobias Reggelin)
Die Modellierung und Simulation bildet eine wesentliche Grundlage für die erfolgreiche Anwendung von KI-Methoden in Produktion und Logistik. Simulationsmodelle ermöglichen es, komplexe Systeme abzubilden, Trainingsdaten für maschinelle Lernverfahren zu generieren und KI-basierte Entscheidungsstrategien in einer risikofreien Umgebung zu erproben und zu validieren. Insbesondere für das Training von Reinforcement-Learning-Agenten sind realitätsnahe Simulationsumgebungen unverzichtbar, da sie die notwendige Interaktion zwischen Agent und Umgebung ohne reale Kosten oder Risiken ermöglichen.
Forschungsschwerpunkte:- Modellbildung, Simulation und digitale Zwillinge in Produktion und Logistik
- Schnelle und effiziente Simulationsmodelle (z. B. mesoskopische Simulation)
- Simulationsgestützte Steuerung und Optimierung
- Automatisierte Erstellung und Parametrisierung von Simulationsmodellen
- Prozessbegleitende Simulationsmodelle für die operative Entscheidungsunterstützung
- Simulationsbasierte Planungswerkzeuge für touristische Wertschöpfungsketten unter den Aspekten Mobilität und Logistik in urbanen Räumen
- Simulationsbasierter Digitaler Zwilling
Forschungsschwerpunkt Fabrikautomatisierung und ProduktionssystemeIm Mittelpunkt der Forschung stehen Produktionssysteme und deren effiziente Gestaltung, Management und Automatisierung. Ergänzt werden die Aktivitäten durch Aspekte der Digitalisierung, Nachhaltigkeit und des Risikomanagements.
Professur für Fabrikautomatisierung (apl. Prof. Dr.-Ing. habil. Arndt Lüder)- Modellbasierte Entwicklung von cyber-physischen Produktionssystemen
- Automatisierungsarchitekturen auf Basis von Industrie 4.0-Komponenten
- Methoden zur Umsetzung verschiedener Produktionssystemreifegrade gemäß Industrie 4.0 Maturity Index
Professur für Produktionssysteme und -automatisierung (kommissarisch: apl. Prof. Dr.-Ing. habil. Arndt Lüder)- Globales Risiko- und Nachhaltigkeitsmanagement:
- Globale Produktion und Distributionsnetzwerkdesign
- Lieferketten, geschlossene Kreisläufe und Risikomanagement
- Bottom of Pyramid, Co-Creation und frugale Innovation und Open Source im Operations Management
- Industrielle Datenräume und digitale Wertschöpfung:
- Integrierte Planung und Steuerung
- Industrielle Datenräume
- Robuste Methoden für Industrie 4.0 und cyber-physische Produktionssysteme
- Datenanalysen, mathematische Modellierung und Simulation
- Hybride Intelligenz und Umgang mit verzerrten Daten und Entscheidungen
- Mensch-Technik-Interaktion:
- Applied Games zur Analyse sozio-technischer Systeme
- Assistenzsysteme für menschzentrierte Arbeitswelten
- Digitale Unterstützung durch immersive Technologien
- Humane und wirtschaftliche Gestaltung von Arbeitssystemen