Unser Ziel ist es, künftige Therapien für Patientinnen und Patienten wirksamer zu gestalten, psychische und psychosomatische Störungen frühzeitig zu erkennen und innovative Versorgungsmodelle zu etablieren. Dabei konzentrieren wir uns auf die nachhaltige Optimierung von Präventionsansätzen und Behandlungsstrukturen. Unser Schwerpunkt liegt auf der translationalen Interventions- und Psychotherapie-forschung,
der Versorgungsforschung sowie der Weiterentwicklung der Implementierungsforschung. Wir engagieren uns z.B. als Teil des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) und im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie in leitender und in mitwirkender Funktion von überregionalen Forschungsverbünden.
KI-gestützte Sprachanalyse für die Präzisionspsychotherapie (2025-2030)
Förderung: Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG)
Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) lässt sich heute nicht nur Sprache erkennen, sondern auch ihr emotionaler und inhaltlicher Gehalt besser verstehen. In der Psychotherapie kann das neue Möglichkeiten eröffnen: Wenn während einer Therapiesitzung sprachliche Signale automatisch analysiert werden, können Therapeutinnen und Therapeuten zusätzliche Informationen nutzen, um einzuschätzen, wie sich die therapeutische Allianz oder andere wichtige Prozessfaktoren im Verlauf entwickeln.
Aufbauend auf der Pilotstudie ASPIRE werden in diesem Projekt KI-Modelle weiterentwickelt, die akustischen Merkmale der Stimme (z. B. Tonhöhe, Sprechtempo, Betonung) sowie sprachliche Inhalte erfassen und daraus Hinweise auf relevante psychologische Konstrukte wie die therapeutische Allianz ableiten. Dabei wird auch untersucht, wie robust diese Modelle gegenüber Methoden zur Sprachanonymisierung sind – also Verfahren, die sensible Patientendaten schützen, ohne wichtige Informationsmuster zu verfälschen.
Langfristig soll ein Prototyp entstehen, der Therapeutinnen und Therapeuten objektive Zusatzinformationen über den Therapieverlauf bereitstellt. In einem weiteren Schritt wird zudem geprüft, wie sich Sprachdaten mit anderen Informationskanälen – etwa Videomaterial – kombinieren lassen, um den therapeutischen Prozess noch umfassender zu verstehen und zu begleiten.
SAVER: Sprach-Analyse von psychotherapeutischer Behandlung in einem transdiagnostischen Kontext (2025- 2028)
Förderung: Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG)
Psychische Störungen gehören weltweit zu den größten Belastungen für die Gesundheit. Sprache spielt für die Diagnostik und Behandlung eine zentrale Rolle, als Medium sowohl für den Ausdruck psychischen Erlebens als auch für dessen Veränderung. Das Projekt SAVER nutzt aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz, um diese sprachlichen Dimensionen systematisch zu erfassen. Ziel ist der Aufbau einer multizentrischen Datenbank psychotherapeutischer Sitzungen im Behandlungsverlauf und deren Analyse mit Methoden des maschinellen Lernens. Untersucht werden vier Schwerpunkte: (1) die Identifikation diagnostischer Marker, (2) die automatisierte Erfassung aktiver therapeutischer Elemente und Veränderungsprozesse, (3) die Robustheit solcher Analysen unter Anwendung moderner Sprachanonymisierung sowie (4) die Simulation therapeutischer Gesprächsanteile durch Large Language Models. Langfristig soll das Projekt so zu präziseren Diagnosen, einem besseren Verständnis therapeutischer Wirkmechanismen und einer evidenzbasierten Weiterentwicklung psychotherapeutischer Verfahren beitragen.
Die Leitung der Gesamtstudie liegt am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim. Neben der KPSM der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität sind darüber hinaus die Ruhr-Universität Bochum, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Universität Ulm am Projekt beteiligt.
Evaluation von Verstärkungsstrategien mithilfe von nicht-invasiver Neuromodulation bei psychotherapeutischen Interventionen (Enhanced Psychotherapy) im Kontext chronischer Schmerzerkrankungen – EnPsyPain (2025-2027)
Förderung: EU EFRE-Sachsen-Anhalt
Im Rahmen eines klinischen Studienverbundes der Medizinischen Fakultät, gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), wird eine randomisierte, kontrollierte Pilotstudie (Pilot-RCT) im Bereich translationale Interventionsforschung bei PatientInnen mit chronischen Schmerzerkrankungen durchgeführt. Die Ergebnisse sollen Grundlagen dazu beitragen, spezifische Bedarfe und Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppen zu adressieren sowie Trends der Wirksamkeit einer kombinierten Intervention für weiterführende Studien zu bestimmen.
Untersuchung und Modulation des Zusammenspiels zwischen Körper und Psyche bei Personen mit Adipositas (2025-2030)
Förderung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG)
Ziel dieses Forschungsprojektes ist die Untersuchung der Interaktion zwischen somatischen Symptomen und psychischen Störungen bei PatientInnen mit Adipositas und psychischer Komorbidität mithilfe einer multidimensionalen Forschungsmethodik. Geplant ist eine prospektive longitudinale Interventionsstudie zur Untersuchung neuraler Schaltkreise und Netzwerke. Die hieraus gewonnenen Forschungserkenntnisse werden vielversprechende Ansatzpunkte für neuartige und maßgeschneiderte präventive und therapeutische Möglichkeiten liefern.
Patient-Centered Outcomes Research in der Medizininformatik-Initiative (PCOR-MII) (2023-2027)
Förderung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
Der PCOR-MII- Verbund ist eine multizentrische Forschungsinitiative, welche vom Charité Centre for Patient-Centered Outcome Research (CPCOR) koordiniert wird. In Kooperation mit PatientInneninitiativen, MedizininformatikerInnen und KlinikerInnen verschiedener Disziplinen werden Patient-Reported Outcomes (PROs) in den Nationalen Kerndatensatz (NCD) der Medizininformatik-Initiative (MII) integriert. Die Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und das Datenintegrationszentrum engagieren sich im Rahmen des PCOR-MII-Verbundes im Kontext der Anorexia nervosa. Ziel ist die Identifikation wertvoller Zusammenhänge aus der Kombination des patientenberichteten Gesundheitszustandes mit zusätzlichen diagnostischen und therapeutischen Informationen zur besseren Stratifizierung in der Therapie und langfristigen Verbesserung der Outcomes.
Implementierungsforschung in Intensiv-, Notfall- und psychosozialer Medizin des höheren Lebensalters (2024-2027)
Förderung: Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)
In der medizinischen und klinisch-psychologischen Forschung werden fortlaufend neue Diagnostikinstrumente, Präventionsansätze und Therapien entwickelt, weiterentwickelt und evaluiert. In einer optimalen Welt würden diejenigen Instrumente und Therapien, die sich unter streng kontrollierten Bedingungen wissenschaftlich belegt als wirksam herausstellen, stets auch in die Praxis implementiert werden. Aktuelle Schätzungen weisen jedoch auf eine Umsetzung von nur 14 % solcher evidenzbasierter Ansätze in die Praxis um (Rapport et al., 2022). Warum gelingt der Transfer in die Praxis so selten und wie kann man diesen Prozess erleichtern?
Die Implementierungsforschung untersucht systematisch die Förderfaktoren und Barrieren sowie die Kosten für die Implementierung von innovativen Technologien und neuen Versorgungsmodellen. Dabei bezieht sie sowohl die Perspektive künftiger Nutzender als auch der verantwortlichen Gestaltenden in Politik und Gesundheitswesen mit ein.
In unserem Verbundprojekt ISA – Implementierungsforschung Sachsen-Anhalt verankern wir diese Forschungsrichtung erstmals systematisch in der Region, mit besonderem Fokus auf das medizinisch und psychosozial unterversorgte Nord-Sachsen-Anhalt. Gemeinsam werden das Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) und die Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie (KPSM) zwei besonders vulnerable Bereiche des Gesundheitswesens näher beleuchten: die Notfall- und Intensivmedizin sowie die psychosoziale Medizin. Untersucht werden dabei die aktuelle Versorgungslage sowie Förderfaktoren und Barrieren für die Implementierung innovativer Methoden und neuer Versorgungsmodelle. In diesem Zusammenhang evaluieren wir auch Strategien, die die Implementierung evidenzbasierter Methoden in der Medizin verbessern.
Teilprojekt A: Notfall- und Intensivmedizin
PI: Prof. Dr. Dr. Christian Apfelbacher, Koordination: PD Dr. Jasmin M. Kizilirmak
Analysiert wird die Umsetzung strukturierter Nachsorge nach Notfall- und Intensivbehandlung, u. a. per Telekonsil und Ernährungsplänen.
Teilprojekt B: Psychosomatische Medizin
PI: Prof. Dr. Florian Junne, Koordination: Dr. Kristina Geue
Erforscht werden die telekonsiliare Versorgung, suizidpräventive Maßnahmen und Mensch-Maschine-Interaktion (elektronische Tagebücher).
Teilprojekt C: Ländliche Kohorte Sachsen-Anhalt (LäKoSA)
PI: Apl.-Prof. Dr. Enno Swart, Koordination: Annemarie Feißel
Eine regionale Bevölkerungsstichprobe wird regelmäßig zu ihren Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung im nördlichen Sachsen-Anhalt befragt.
VIBES - Versorgungssituation, Versorgungsinanspruchnahme und Bedarfsanalyse von PatientInnen mit postviralen Syndromen am Beispiel von Post-COVID (2025-2028)
Förderung: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses
Das Projekt zielt darauf ab, ein detailliertes Verständnis der Versorgungslage, der Versorgungsbedarfe und der psychosozialen Bedürfnisse von PatientInnen mit postviralen Symptomkomplexen, insbesondere des Post-COVID-Syndroms (PCS), zu erlangen. Des Weiteren wird auch die Sicht der Gesundheitsprofessionellen zu den oben genannten Dimensionen erfragt und analysiert. Im Rahmen des Projektes soll durch die Ergebnisse der Analysen der genannten Parameter ein partizipativ erarbeitetes Benchmark-Modell für die interdisziplinäre integrierte Versorgung von PatientInnen mit PCS/postviralen Syndrome abgeleitet und vorgelegt werden. Dieses soll Eingang in die S1-Leitlinie finden und zu konkreten Handlungsempfehlungen (SOPs) verdichtet werden. Projektleitende Kooperationspartner sind das Institut für Sozialmedizin- und Gesundheitssystemforschung, die Universitätsklinik für Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie der TU München und das Institut der medizinischen Epidemiologie, Informatik und Biometrie des Universitätsklinikums Halle.
PsyPan - Stärkung der Pandemie-Resilienz im Feld der psychischen Gesundheit mittels Tele-Psychotherapie und digitalen Präventionsangeboten in Sachsen-Anhalt (2022-2026)
Förderung: Land Sachsen-Anhalt
Digitale Angebote zur Prävention psychischer Belastungsstörungen haben in der COVID-19 Pandemie insgesamt zugenommen und Tele-Psychotherapie wurde vermehrt genutzt, um die psychotherapeutische Versorgung in der Pandemie zu gewährleisten. In diesem Projekt wird die Angebots- und Nutzungslage von Tele-Psychotherapie und digitalen Präventionsangeboten gezielt für das Land Sachsen-Anhalt untersucht, in enger Kooperation mit dem Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung. Weitere Informationen finden Sie hier: Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung - PsyPan (ovgu.de)
IPS-Pilot Integrierte Psychosoziale Versorgung in der Intensivmedizin: Partizipative Entwicklung und Pilotierung eines innovativen Versorgungsansatzes (2023-2025)Förderung: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses
Ziel des multizentrischen Projektes ist es, die Mitarbeitenden auf Intensivstationen substantiell zu unterstützen sowie die psychosoziale Versorgung von Patient*innen und deren Angehörigen nachhaltig zu verbessern. Zunächst werden entsprechende Bedarfe in einem gemischt-methodischen Design systematisch erhoben, um hieraus eine komplexe Intervention abzuleiten. Mittels eines Pilot-Trials soll die Machbarkeit und Akzeptanz einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) zur empirischen Evaluierung des neuen Versorgungsansatzes geprüft werden.
SUSTAIN -
Spezialisierte post-stationäre ambulante Anschlussbehandlung via Videokonferenz für eine nachhaltige Stabilisierung bei Anorexia Nervosa, eine randomisierte kontrollierte Studie (2021-2026)
Förderung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Klinische Studien
In dem Projekt wird eine Videokonferenz-basierte poststationäre spezialisierte Psychotherapie für Patientinnen mit Anorexia nervosa zur Rückfallprophylaxe erprobt. Die Studie ist eine Multicenterstudie nach §15 der Musterberufsordnung. Die Studie dient dem Zweck, klinische Daten über den Einsatz der SUSTAIN-Therapie bei Anorexia nervosa zu erhalten. Sie wird auf Initiative und unter Leitung und Gesamtverantwortung mit Prof. Giel der Universität Tübingen durchgeführt.
SysPsyOnko – Niemand wird allein krank und erst recht nicht wieder gesund. Chancen und Herausforderungen der Systemischen Therapie in der Psychoonkologie (03/2025 – 07/2025)
Förderung: Systemische Gesellschaft
Im Zentrum des Projekts
SysPsyOnko steht die Frage, welche Chancen und Herausforderungen die systemische Therapie in der psychoonkologischen Versorgung birgt. Im Rahmen des Projekts wird eine deutschlandweite Onlinebefragung unter systemisch arbeitenden Therapeut*innen durchgeführt. Ziel ist es, Einblicke zu gewinnen in:
- ihre Erfahrungen in der Arbeit mit Krebspatient*innen und deren Angehörigen,
- den emotionalen Umgang mit schwerer Krankheit im therapeutischen Setting,
- sowie ihre eigene Resilienz und berufliche Zufriedenheit.
Ziel dieses Projektes ist es, Handlungsempfehlungen für eine weitere Integration der systemischen Therapie in der psychoonkologischen Versorgung abzuleiten und Ansatzpunkte für weitere wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise zu erörtern.
ASPIRE Automatische Sprachverarbeitung in der Psychotherapie (2023-2025)
Förderung: Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
In dem Projekt sollen die konzeptionellen und technischen Grundlagen für die automatisierte Sprachanalyse in Psychotherapien unter Berücksichtigung automatisierter Sprecheranonymisierungsmethoden erarbeitet werden. Eine erste Erprobung untersucht Zusammenhänge zwischen der Qualität der therapeutischen Allianz und sprachinhaltlichen sowie prosodisch-akustischen Sprachmerkmalen von PatientInnen und TherapeutInnen. Das Projekt wird gemeinsam mit Jun.-Prof. Siegert und in enger Kooperation mit Prof. Giel der Universität Tübingen durchgeführt.
Non-invasive Neuromodulation für Erwachsene nach bariatrischer Operation (2023-2025)
Förderung: Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Pilotprojekt im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG)
Ziel des Projektes ist die Vorbereitung und Erprobung einer nicht-invasiven Neuromodulation für Erwachsene mit Adipositas und impulsivem Essen in einem (prä-) klinischen Versuchsumfeld. Mit transkraniellen Gleichstromstimulationstechniken (tDCS), die auf den dorsolateralen präfrontalen Kortex (DLPFC) abzielen, soll die therapeutische Wirkung auf gestörtes Essverhalten und Gewichtsreduktion nach bariatrischer Operation bei Patienten verstärkt werden. Das Projekt wird gemeinsam mit Prof. Krauel und in enger Kooperation mit Prof. Giel der Universität Tübingen durchgeführt.