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Psychosomatische Expertise kommt per Video ins Krankenhaus

von Sandra Michme
Die beteiligten Teams der Universitätsmedizin Magdeburg und des Städtischen Klinikums Dessau bereiten gemeinsam die Einführung des Psychosomatischen Telekonsils in Dessau vor. Vordere Reihe, von links: Priv.-Doz. Dr. med. et Dr. med. univ. Georg Fürnau (Chefarzt der Klinik Innere Medizin II Dessau), Helena Haverkate und Stephanie Czachurski (Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg), Christiane Wittwer (Abteilung Psychologie Dessau) und Dr. med. Marius Binneböse (Leitender Oberarzt & Stellvertretender Klinikdirektor Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg). Hintere Reihe, von links: Christian Fichtner (Abteilungsleiter IT Dessau), Dipl.-Psych. Sabrina Gurdschinski (Abteilung Psychologie Dessau), Dr. med. Judith Pannier (Leitende Oberärztin der Klinik für Innere Medizin I Dessau)
Städtisches Klinikum Dessau wird Standort für ein Psychosomatisches Telekonsil der Universitätsmedizin Magdeburg – Start der Versorgung für November 2026 geplant
 
Das Städtische Klinikum Dessau wird Standort für ein neues Psychosomatisches Telekonsil der Universitätsmedizin Magdeburg im Rahmen des EFRE-geförderten Forschungsverbunds ISA zur Implementierung innovativer Versorgungsformen im klinischen Alltag. Mit dem Telekonsil sollen Patientinnen und Patienten künftig auch dann Zugang zu spezialisierter psychosomatischer Expertise erhalten, wenn diese nicht unmittelbar vor Ort verfügbar ist. Der Start des Telekonsils ist für November 2026 vorgesehen.
 
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin war ein gemeinsamer Workshop der beteiligten Teams Ende August in Dessau. Dabei wurden die geplanten Abläufe erstmals gemeinsam vor Ort durchgespielt und die Voraussetzungen für die praktische Umsetzung besprochen. Aktuell werden die technischen und organisatorischen Prozesse weiter vorbereitet und auf die Abläufe im klinischen Alltag abgestimmt.
 
Wenn körperliche und seelische Beschwerden zusammenkommen
 
Bei vielen Patientinnen und Patienten treten neben einer körperlichen Erkrankung auch psychische oder psychosomatische Belastungen auf. Dazu können beispielsweise Ängste, depressive Beschwerden oder körperliche Symptome gehören, für die sich zunächst keine eindeutige organische Ursache finden lässt. Für die behandelnden Teams kann es dann hilfreich sein, frühzeitig eine spezialisierte psychosomatische Einschätzung einzubeziehen.
 
„Der Bedarf an psychosomatischer Expertise ist hoch. Gleichzeitig steht diese Unterstützung insbesondere außerhalb größerer Zentren nicht immer unmittelbar zur Verfügung“, erklärt Dr. Marius Binneböse, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Florian Junne, Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg leitet. „Mit dem Telekonsil wollen wir deshalb die Möglichkeit schaffen, spezialisierte Expertise unkompliziert in die Behandlung vor Ort einzubinden.“
 
Spezialisiertes Wissen kommt direkt ans Patientenbett
 
Beim ISA-Telekonsil können Fachärztinnen und Fachärzte der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Magdeburg die behandelnden Teams im Städtischen Klinikum Dessau aus der Ferne unterstützen. Über eine datensichere Videoverbindung können Gespräche mit Patientinnen und Patienten geführt, Beschwerden gemeinsam eingeordnet und weitere diagnostische oder therapeutische Schritte besprochen werden.
 
Die telemedizinische Beratung ersetzt dabei nicht das behandelnde Team vor Ort. Vielmehr soll sie dessen Arbeit durch den direkten Zugang zu spezialisierter Expertise ergänzen. Gerade für Kliniken in Regionen, in denen entsprechende Fachangebote nicht jederzeit verfügbar sind, kann so eine zusätzliche Verbindung zu einem universitären Zentrum entstehen.
 
Dr. med. Judith Pannier, Leitende Oberärztin der Klinik für Innere Medizin I am Städtischen Klinikum Dessau sagt: „Psychische Belastungen und körperliche Erkrankungen hängen oft miteinander zusammen. Wir sind sehr froh, mit Hilfe des psychosomatischen Telekonsils der Universität Magdeburg unseren Patientinnen und Patienten einen noch ganzheitlicheren Behandlungsansatz anbieten zu können. Wir freuen uns auch, dieses Angebot zur gezielten Beratung unserer Ärzte und Pflegekräfte nutzen zu können. Insgesamt versprechen wir uns davon deutlich zufriedenere und letztlich wieder gesündere Patienten.“
 
Forschung soll Weg in die Versorgung ebnen
 
Der Telekonsildienst ist ein Teilprojekt im EFRE-geförderten Forschungsverbund ISA an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Dort wird untersucht, wie innovative Versorgungsformen – wie digitale Telekonsile – erfolgreich in den Alltag von Kliniken implementiert werden können. Ziel ist es, wissenschaftlich erprobte Konzepte nicht nur zu entwickeln, sondern ihre tatsächliche Umsetzung in der Regelversorgung zu ermöglichen, besonders in Regionen mit begrenztem Zugang zu spezialisierter psychosomatischer Expertise. ISA schafft damit eine Brücke zwischen universitärer Forschung und der medizinischen Praxis im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts.
 
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Marius Binneböse, Projektleiter „Psychosomatisches Telekonsil“, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, marius.binneboese@med.ovgu.de, Tel.: +49-391-67-25740