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Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Zentren

Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung

Haus 54

Franckeplatz 1

06110 Halle (Saale)

Tel.:+49 345 5521781

Fax:+49 345 5527252

Profil

Forschungsprofil

Die Universität Halle wirkte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in ganz Europa als bedeutendes Zentrum der deutschen Aufklärung sowie als modellhafte Reformuniversität. Deswegen ist die Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt (ULB) mit ihrem einschlägigen, reichhaltigen Quellenbestand bis heute ein prädestinierter Standort für ein wissenschaftliches Aufklärungszentrum mit nationaler und europäischer Perspektive.

Im Frühjahr 1990 gründete die Universität Halle mit Unterstützung der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel und der Volkswagen-Stiftung die Internationale Forschungsstätte Europäische Aufklärung mit Sitz in den Franckeschen Stiftungen. Nach den Umbrüchen der Wende erfolgte 1993 die Neukonstituierung als Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) auf der Basis einer universitären Satzung, die Aufgaben und Struktur des Zentrums regelt. Sitz des Zentrums ist das Haus 54 der Franckeschen Stiftungen, ein massives Schulgebäude aus der Gründerzeit, das seit Dezember 1996 vollständig saniert und im Februar 1998 neu eröffnet wurde.

Im ehrenamtlichen Direktorium sind unter der Geschäftsführung von Prof. Dr. Rainer Enskat vom Institut für Philosophie die Fächer Anglistik, Germanistik, Romanistik, Slawistik, Geschichte, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte vertreten. Als universitäre Grundausstattung verfügt das Haus momentan über 3,5 Planstellen wiss. Mitarbeiter, 1,75 Sekretariats-Stellen, einen Sachmittelhaushalt sowie einen Bibliotheks-Etat. Im Rahmen des Exzellenznetzwerkes Aufklärung - Religion- Wissen des Landes Sachsen-Anhalt bilden Mitglieder des Direktoriums während der nächsten fünf Jahre den größten Teil der wissenschaftlichen Projektträger.

Ein Internationaler Wissenschaftlicher Beirat mit Vertretern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und den USA begleitet und unterstützt das interdisziplinäre Forschungsprogramm des Zentrums. Dieses Forschungsprogramm umfasst sowohl standortbezogene als auch international vergleichende Vorhaben. Schwerpunkte im Standortbereich sind die Erforschung der Halleschen Aufklärung, der esoterischen Strömungen innerhalb der Epoche der Aufklärung, der Aufklärungskritik und der Selbstaufklärung der Aufklärung, der Kommunikations- und Gesellschaftsgeschichte, der Universitäts- und Gelehrtengeschichte sowie der Kulturgeschichte Halles in der Epoche der Aufklärung.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet momentan das DFG-Projekt Die Aufklärung im Bezugsfeld neuzeitlicher Esoterik, das von der Historikerin Prof. Dr. Monika Neugebauer-Wölk geleitet wird. Daneben laufen auch noch weitere Forschungsprojekte zur Aufklärung und enstehen verschiedene Publikationen zu wichtigen Themen und Problemen der Aufklärung, wie z.B. ein Buchprojekt Bedingungen der Aufklärung. Philosophische Untersuchungen zu einer Aufgabe der Urteilskraft (Prof. Enskat), ein Handbuch der Aufklärung (Prof. Thoma), zwei Untersuchungen zum Standortbereich Halle in übergreifender historischer Perspektive (Prof. Kertscher, Dr. Garber), eine Untersuchung zur Biographik und Menschheitsgeschichte in der anthropologischen Wende der Spätaufklärung (Dr. Garber), eine philosophische Untersuchung zum Problem der Menschenwürde im Anschluss an Kants praktische Philosophie (Dr. Diehl).

Im Rahmen seiner Forschungen kooperiert das IZEA mit verschiedenen Partnerschaftsinstitutionen im In- und Ausland, wie z.B. mit den Instituten für Frühe Neuzeit der Universitäten Augsburg, Frankfurt, Wien und Osnabrück, der Ecole Normale Supérieure Fontenay-St. Cloud (Paris IV/Sorbonne), dem Centre d'Etudes en Rhétorique, Philosophie et Histoire des Idées, de l'Humanisme aux Lumières (CERPHI) der Ecole Normale Supérieure Lettres/Sciences Humaines (Lyon), der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der International Society for Eigteenth Century Studies (ISECS), der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts, dem Gleimhaus Halberstadt und der Dessau-Wörlitz-Stiftung  zusammen. Aus diesen Kooperationen gingen  im Berichtszeitraum vor allem einige Tagungen und Tagungsprojekte hervor.

Ferner unterstützt das IZEA die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch Nachwuchskolloquien sowie den wissenschaftlichen Austausch durch Tagungen, Ausstellungen und Vortragsreihen, die sich um die Standortforschung und das Thema des Forschergruppenantrags gruppieren. Schließlich partizipiert das Zentrum am Thyssen-Stipendienprogramm der Franckeschen Stiftungen und vergibt Promotions- und Graduiertenstipendien. Unter dem Titel Hallesche Beiträge zur Europäischen Aufklärung gibt das Zentrum im Max Niemeyer Verlag Tübingen eine wissenschaftliche Reihe heraus, in der sich die eigene Forschung abbildet, in die aber auch andere wichtige Beiträge zur Standortforschung bzw. zu den europazentrierten Forschungsschwerpunkten des Zentrums Eingang finden können. Bisher sind insgesamt 28 Bände erschienen; im Frühjahr 2006 erscheinen drei weitere Bände.

Zur Forschungsleistung des Zentrums gehört auch die kontinuierliche Erhaltung und Erweiterung einer Schwerpunktbibliothek zur europäischen Aufklärung, die als Zweigbibliothek der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt/ULB geführt wird. Diese Bibliothek besteht aus den Quellen-Beständen der ULB, aus Reprints, Enzyklopädien und aus einschlägiger Forschungsliteratur zur Kultur- und Ideengeschichte des 18. Jahrhunderts.