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Wenn Kinder zu Forscherinnen und Forschern werden

von Sandra Michme
Dr.-Ing. Ingo Siegert erklärt den Kindern, woran er forscht und welche Hilfsmittel und digitalen Systeme er dafür nutzt. Fotograf: privat
Projekt „Kopfkino aus dem Kinderzimmer“ der Universitätsmedizin Magdeburg startet mit kreativem Auftakt
 
Wie klingt Wissenschaft? Und was passiert, wenn Kinder mitreden dürfen, bevor die Forschung beginnt? Mit diesen Fragen ist im Februar 2026 das Projekt „Kopfkino aus dem Kinderzimmer – ein Hörspiel als Resonanzraum wissenschaftlicher Kreativität“ der Universitätsmedizin Magdeburg gestartet. Gefördert wird es im Rahmen der Initiative „Night Science“ der VolkswagenStiftung.
 
Von Januar 2026 bis April 2027 arbeitet ein Team um Privatdozent Dr.-Ing. Ingo Siegert von der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Magdeburg gemeinsam mit sieben Kindern der 3. und 4. Klasse aus dem IB Hort „Am Brückfeld“ in Magdeburg. Ziel ist die Entwicklung eines Podcasts. Dabei soll herausgefunden werden, was passiert, wenn wissenschaftliche Perspektiven auf kindliche Fantasie treffen.
Ein ungewöhnlicher Start
 
Beim ersten Treffen im Hort ging es bewusst nicht um Vorträge oder Experimente, stattdessen stand das Kennenlernen im Mittelpunkt. Das Forschungsteam brachte Klangaufnahmen aus seinem Alltag mit. Die Kinder sollten erraten, was zu hören ist. Die Klänge wurden so zu einer besonderen Form der Vorstellung – nicht Titel oder Lebensläufe.
 
Anschließend zeichneten die Kinder ihre Vorstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Viele Bilder zeigten stereotype Laborfiguren mit Kittel, Reagenzglas und Explosion. „Wissenschaft ist mehr als Labor und Kittel“, sagt Siegert. „Sie beginnt mit Fragen, mit Unsicherheit und mit Zuhören.“
 
Das Projekt setzt genau hier an und möchte diesen fehlenden Bezug zu Wissenschaft ermöglichen. Die Kinder besuchen wissenschaftliche Orte, stellen Fragen und sammeln Eindrücke. Daraus entsteht ein Podcast, der Forschung aus ihrer Perspektive erzählt. Inhaltlich knüpft das Projekt an Siegerts Forschung zu Sprache, Wahrnehmung und akustischer Signalverarbeitung an. Er untersucht unter anderem, wie Menschen über Klang und Sprache in Beziehung treten – und wie digitale Systeme diese Prozesse unterstützen.
 
Offener Prozess statt fertiger Antworten
 
„Kinder denken nicht in Disziplinen. Genau das kann wissenschaftliche Kreativität stärken“, so Siegert. Das Projekt ist deshalb keine klassische Studie mit klar vorgegebenem Ziel. Es ist ein offener Prozess. Die Fragen der Kinder werden zum Resonanzraum für wissenschaftliches Nachdenken. „Wenn Kinder erleben, dass Wissenschaft Fragen zulässt und ihre Perspektiven ernst genommen werden, entsteht Vertrauen. Gleichzeitig reflektieren wir Forschenden eigene Bilder und Routinen“, so Siegert.
In einer Zeit, in der Wissenschaft gesellschaftlich immer wieder hinterfragt wird, sind solche Dialogräume besonders wichtig. Perspektivwechsel ist hier nicht nur Methode, sondern demokratische Praxis. Der entstehende Podcast soll öffentlich zugänglich gemacht und perspektivisch auch in Bildungskontexten eingesetzt werden können.
Unterstützt wird das Projekt durch die „Night Science“-Initiative der VolkswagenStiftung, die bewusst ergebnisoffene, kreative Denkprozesse fördert. An dem Projekt beteiligt ist die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V., sowie der IB Hort „Am Brückfeld“.
 
Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
 
Privatdozent Dr.-Ing. Ingo Siegert, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, E-Mail: ingo.siegert@ovgu.de, Tel.: +49-391-67-50060